Politik und Lodenjanker

Rund um die derzeit stattfindenden Wahlen in Südafrika entzünden sich in den österreichischen Zeitungen und besonders ihren Internetforen wieder einmal die merkwürdigsten Grabenkämpfe. Insbesondere geht es dabei um den wohl sehr zu Recht umstrittenen Präsidentschaftskandidaten des ANC, Jacob Zuma. Gegen den hunderte Anzeigen wegen Korruption eingebracht wurden. Der eventuell eine AIDS-Aktivistin vergewaltigt hat. Und der der offen kundgetanen Meinung ist, eine Dusche würde schon gegen das HI-Virus helfen. 

Im Forum des lachsrosa Blatts hat sich ein/e Poster/in allerdings in anderer Form über Zuma lustig gemacht, und zwar durch Posten eines Links zu folgendem Foto:

Jacob Zuma im lokalen Äquivalent der Krachledernen

Jacob Zuma, hier im lokalen Äquivalent der Krachledernen, gibt den Witz von der Kärntnermama zum Besten

Abgesehen von den sehr realen Problemen mit dem Politiker Jacob Zuma, seinen Einstellungen und Bildungslücken, finde ich es absurd, wenn sich Österreicher über einen Präsidentschaftskandidaten lustig machen, der seine „Volksnähe“ dadurch zur Schau stellen will, dass er sich in Tracht ablichten lässt.

Schließlich kommt Vergleichbares hierzulande ja nie vor.

Komisch nur, dass ich den Eindruck habe, dass ein großer Teil des hiesigen politischen Spektrums (generell gesprochen alles von der Raiffeisenfraktion bis zum rechten Rand) exakt dieselbe Art von Bildern von sich machen lässt.

Sollte der/die Poster/in besagten Links im Standard-Forum diese Zeilen lesen, bitte ich um Erklärung, worin genau der grundlegende Unterschied zu einem österreichischen Politiker im Steirerjanker besteht.

Und dann beginnen wir eine Diskussion über rassistische (und kulturrassistische) Arroganz.

Der Unterschied zwischen Krachlederner und Penisköcher ist wahrlich kein fundamentaler, insbesondere dann, wenn beide Kleidungsstücke sich in der Funktion als Marker aufgesetzten Volkstribunentums aufs Haar gleichen.

Die Strickliesl und ihre Freunde

Aufführung traditioneller Stammestänze des Alpenraums

Wie gesagt, Zuma ist als Politiker wohl problematisch genug, ohne dass die betriebene Art stereotypisierender Verächtlichmachung dadurch in irgendeiner Weise gerechtfertigt wäre. Es wäre mehr über seine Unbildung und seinen Hang zur Korruption zu diskutieren – aber auch hier unterscheidet er sich wohl nur graduell von der Masse derjenigen hiesigen Bundes- und Lokalpolitiker/innen, die sich für Fototermine gern ostentativ in eine Tracht werfen, die sie im Alltag nie tragen würden.

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A Doda

Ein Toter hat die Kärntner Landtagswahlen gewonnen. Auch wenn ich von Kärnten einiges gewöhnt bin, muss ich doch gestehen, dass es den Bewohnern besagten Ziel-1-Gebiets wieder einmal gelungen ist, mich vor den Kopf zu stoßen. Was böte sich also mehr an, als hier und heute einen der profundesten Kenner und Überzeichner des vor- und inneralpinen reaktionären und rassistischen Stumpfsinns zu zitieren, Thomas Bernhard also. Das Szenario des Dramoletts „A Doda“ ist folgendes: In einem Dorf in Ober-Oberbayern (was als Chiffre natürlich auch für das alpine Österreich stehen kann; dialektal ist das Stück in Bayern oder im westlichen Oberösterreich verortet) marschieren zwei alte Frauen in Tracht vom Rosenkranzbeten nach Hause. Am Straßenrand finden sie eine vermeintliche Verkehrsleiche zwischen zwei Bäumen liegen. Ob sich diese zuvor in einer Schwulenbar an die zwei Promille angetrunken hat, ist zunächst ebenso unklar wie ihre Identität. Schließlich fasst sich eine der beiden ein Herz und besieht sich das scheinbare Unfallopfer genauer…

Erste Frau

Na so was
Des san ja de Plakade
de was mei Mo oschlagn hat wolln
in da Nacht
de Hakenkreuzplakade vastengen S

Zweite Frau

Lauta Hakenkreuz
na so was
lauta Hakenkreuzplakade
und mia ham gmoant
a Doda is
lauta Hakenkreuzplakade

Und damit wären wir eindeutig weniger im ländlichen Oberösterreich als in Lambichl/Ilovje gelandet. Lei lei. Naturgemäß.

(Zitat aus Thomas Bernhard: A Doda; erschienen in: Der deutsche Mittagstisch. Dramolette. Suhrkamp 1988)

Warum der Faust II so unerträglich ist wie ein Investmentbanker

Eine der großen Enttäuschungen der erweiterten Schullektüre ist und bleibt für mich das Streberdrama Faust II – ein gutes Beispiel für etwas, das niemand freiwillig lesen würde, wär’s nicht in kriecherischer Goethe-Verehrung einstmals gewaltsam ins bildungsbürgerliche Kurrikulum gepresst worden. Besonders störend ist mir dabei die verpfuschte Katharsis in Erinnerung geblieben. Der gute Heinrich erweist sich zwei Stücke hindurch als Hundsgesicht erster Güte, wird schließlich auch noch senil genug, die Wette um seine Seele zu verlieren… und was geschieht? Es erscheint der Deus ex Machina, und weil der gute Herr Doktor schließlich ein sogenannter Leistungsträger war, der sich mit einer Mischung aus Präpotenz, Asperger-Syndrom und Ellbogen durchs Leben gerempelt hat, bekommt er ein divines Rettungspaket geschnürt, von dem er sich gleich einen fetten Bonus abzweigen kann.

So nicht, meine Herrschaften, weder in der klassischen Literatur noch in der Welt der bauernschlauen Banker, in deren seelenloser Existenz außer der Betriebswirtschaft nichts einen Platz hat! In beiden Fällen erschiene mir ein Ende wie im Volksbuch gerechter, bei dem außer Putzfleckerln und einem großen Fettfleck nur die wohlverdient schlechte Erinnerung vom „Leistungsträger“ übrigbleibt.

Motto des Tages: Die Kärntner tragen ihre Unterhosen auf dem Kopf…

… Und darauf sind lauter kleine Hakenkreuze. Die geplante Errichtung eines Jörg-Haider-Marterls lässt leider keinen anderen Schluss zu.

Motto des Tages/Lavar an jydh: Man hat nicht soviel Hände…

…wie Watschen, die ausgeteilt gehörten.

Besonders – und schön regelmäßig immer wieder – bei der Lektüre österreichischer Tageszeitungsforen stellt sich diese Erkenntnis ein, lässt den metaphorischen Schuh drücken und die Kabel schwellen.

Nerdspielzeug. „Weil’s geht“ als Maxime.

Diesen kurzen Eintrag poste ich über die iBlogger-Applikation von meinem iPod Touch. Nicht, weil es bequemer ist – dergleichen zu behaupten, wäre eine allzu freche Lüge – sondern weil’s geht. Ich erfreu mich also am Proof of Concept. Wer das nicht nachvollziehen kann, hat das innere Kind und damit seinen inneren Geek vermutlich schon erdrosselt.

Ad “Hello world!”: 3. Teil / A-dro dhe “Hello world!”: tressa rann

Wieder einmal geht es um esoterische Programmiersprachen, und zwar weiterhin unter dem Motto „Wie blöd Hello-world-Programme ausschauen können“. Diesmal: Programmiersprachen, deren Kommandos ausschließlich aus Tierlauten bestehen.

Da wäre zuerst Ook!, das in der Wikipedia wie folgt beschrieben wird:

Ook!Ook! ist eine Variante der esoterischen Programmiersprache Brainfuck für Orang-Utans, entwickelt von David Morgan-Mar.

Damit, und da wird mir die p.t. Leserschaft wohl zustimmen, ist schon fast alles gesagt. Ein paar Details noch: die Sprache kommt mit acht Befehlen aus, die aus unterschiedlichen Zweierkombinationen der Elemente „Ook!“, „Ook.“ und „Ook?“ zusammengesetzt sind. Ein Hello-World-Programm sieht also aus wie folgt:

Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook.
Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook?
Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook! Ook.
Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook! Ook? Ook? Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook. Ook? Ook! Ook! Ook? Ook! Ook? Ook. Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook.
Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook! Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook. Ook.
Ook! Ook. Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook.
Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook! Ook!
Ook! Ook. Ook. Ook? Ook. Ook? Ook. Ook. Ook! Ook.

Eine bestrickende Verbindung von Simplizität und Ästhetik, möchte ich meinen.

Für Computernerds, die sich mehr zum Bovinen hingezogen fühlen, empfiehlt sich dagegen die Sprache Cow. Sie folgt einem ganz ähnlichen Prinzip und kennt zwölf Befehle, die durch variierte Groß- und Kleinschreibung der drei Buchstaben MOO abgebildet werden: Moo, moo, MOo etc. Bei zwei Befehlen wird ein bisserl geschummelt, weil es sich bei ihnen um die Sequenzen MMM und OOO handelt. Auf der Homepage des Entwicklers werden folgende Überlegungen angestellt:

The COW programming language was designed with the bovine in mind. Given that cows have somewhat limited vocabulary skills, it seemed natural to incorporate only the words they know into the language. As a result, all instructions are some variation on „moo“ which just so happens to be the only word they really understand.

Und das finde ich wirklich rücksichtsvoll.

Motto des Tages: No na

Ein klassisches Element im rhetorischen Inventar typisch wienerischer Frechheit ist die schöne Interjektion „No na“, mit der sich rhetorische Fragen wunderbar patzig kontern lassen, die aber leider weitgehend aus dem alltäglichen Gebrauch geschwunden ist. Es wäre allerdings angebracht – meine ich zumindest – sie vor dem Vergessen zu bewahren. Friedrich Torberg gibt einige schöne Beispiele von Situationen, in denen der Kommunikation tatsächlich etwas fehlen würde, wenn es die Möglichkeit des „no na“ nicht gäbe.

Musterbeispiel:
(Patient stöhnt schmerzerfüllt auf, während ihm ein Einlauf verabreicht wird)
Krankenschwester: Oh je, ist er vielleicht zu heiß?
Patient: No na, zu süß wird er sein.

Das „no na“ erlaubt hier also dem geschundenen Individuum, die sie misshandelnde Person nicht mit einer leicht bedauernden rhetorischen Frage bzw. dem Ausdruck geheuchelter Verwunderung davonkommen zu lassen.

Aktuelles Beispiel für die Notwendigkeit des „no na“:

a: (kopfschüttelnd) Also so etwas, der dritte Nationalratspräsident hat die ihm zustehenden Büroposten mit Neonazis besetzt! Wie kann denn das sein?
b: No na, ein schlagender Burschenschafter wird sich seine Unterläufel bei SOS Mitmensch rekrutieren
.

Wer so wie die beiden derzeit noch größten Parteien des Landes einen bekennenden Rassisten und Deutschnationalen ins Parlamentspräsidium wählt, dem steht die geheuchelte Entrüstung nicht gut an, wenn dieser sich so abstoßend verhält, wie es seiner bereits zuvor bekannten politischen Gesinnung eben entspricht. Ein archetypischer Fall einer „no na“-Situation also.

Ad „Hello world!“: 2. Teil / A-dro dhe „Hello world!“: nessa rann

Um meine gestrige Einfallslosigkeit wieder wettzumachen, die sich nicht zuletzt darin geäußert hat, ein Hello-world-Programm in einem langweiligen interpretierten Basic-Dialekt der 1970er anzuführen (neuere Varianten wie z.B. das von mir verwendete Blitz sind a) compiliert und b) objektorientiert), werde ich solche Programme in ein paar sogenannten esoterischen Programmiersprachen anführen. 

Ich beginne heute mit meinem persönlicher Liebling, Shakespeare. Das Wundervolle an dieser Sprache ist, dass die eigentliche Absicht (nämlich schlicht „Hello world!“ zu schreiben) völlig im Code untergeht. Die Wikipedia gibt folgendes Hello-world-Programm an, das sich die p.t. Leserschaft einmal auf der Zunge zergehen lassen sollte. Ja, es eignet sich zum Vorlesen:

 
Romeo, a young man with a remarkable patience.
Juliet, likewise young woman of remarkable grace.
Ophelia, a remarkable woman much in dispute with Hamlet.
Ophelia, the flatterer of Andersen Insulting A/S.

Act I: Hamlet’s insults and flattery.
Scene I: The insulting of Romeo.
[Enter Hamlet and Romeo]
Hamlet:
You lying stupid fatherless big smelly half-witted coward! You are as
stupid as the difference between a handsome rich brave hero and thyself!
Speak your mind!
You are as brave as the sum of your fat little stuffed misused dusty
old rotten codpiece and a beautiful fair warm peaceful sunny summer’s
day. You are as healthy as the difference between the sum of the
sweetest reddest rose and my father and yourself! Speak your mind!
You are as cowardly as the sum of yourself and the difference
between a big mighty proud kingdom and a horse. Speak your mind.
Speak your mind!
[Exit Romeo]
Scene II: The praising of Juliet.
[Enter Juliet]
Hamlet:
Thou art as sweet as the sum of the sum of Romeo and his horse and his
black cat! Speak thy mind!
[Exit Juliet]
Scene III: The praising of Ophelia.
[Enter Ophelia]
Hamlet:
Thou art as lovely as the product of a large rural town and my amazing
bottomless embroidered purse. Speak thy mind!
Thou art as loving as the product of the bluest clearest sweetest sky
and the sum of a squirrel and a white horse. Thou art as beautiful as
the difference between Juliet and thyself. Speak thy mind!
[Exeunt Ophelia and Hamlet]

Act II: Behind Hamlet’s back.
Scene I: Romeo and Juliet’s conversation.
[Enter Romeo and Juliet]
Romeo:
Speak your mind. You are as worried as the sum of yourself and the
difference between my small smooth hamster and my nose. Speak your
mind!
Juliet:
Speak YOUR mind! You are as bad as Hamlet! You are as small as the
difference between the square of the difference between my little pony
and your big hairy hound and the cube of your sorry little
codpiece. Speak your mind!
[Exit Romeo]
Scene II: Juliet and Ophelia’s conversation.
[Enter Ophelia]
Juliet:
Thou art as good as the quotient between Romeo and the sum of a small
furry animal and a leech. Speak your mind!
Ophelia:
Thou art as disgusting as the quotient between Romeo and twice the
difference between a mistletoe and an oozing infected blister! Speak
your mind!
[Exeunt]

Das Wundervolle daran ist neben der Produktion randomisierter Literaturparodie die unglaubliche Umständlichkeit: im Prinzip funktioniert Shakespeare wie ein Assembler, bietet also ein Minimum an Komfort – das dafür mit einem Maximum an Komplikation verbunden ist. So mag ich das.

Motto des Tages: Der Menschheit gebricht’s am Hirn.

Was besonders bei der Lektüre österreichischer Zeitungsforen ins Auge sticht. Was (außer spießiger Langweiligkeit und jetzt dem Versuch, eine Werbelinie auf den Komplexen des Chefredakteurs aufzubauen) hat etwa das Nachfolgeblatt der altehrwürdigen Neuen Freien Presse eigentlich verbrochen, um zum Tummelplatz so vieler kampfpostender Kellernazis zu werden?