Warum der Faust II so unerträglich ist wie ein Investmentbanker
Eine der großen Enttäuschungen der erweiterten Schullektüre ist und bleibt für mich das Streberdrama Faust II – ein gutes Beispiel für etwas, das niemand freiwillig lesen würde, wär’s nicht in kriecherischer Goethe-Verehrung einstmals gewaltsam ins bildungsbürgerliche Kurrikulum gepresst worden. Besonders störend ist mir dabei die verpfuschte Katharsis in Erinnerung geblieben. Der gute Heinrich erweist sich zwei Stücke hindurch als Hundsgesicht erster Güte, wird schließlich auch noch senil genug, die Wette um seine Seele zu verlieren… und was geschieht? Es erscheint der Deus ex Machina, und weil der gute Herr Doktor schließlich ein sogenannter Leistungsträger war, der sich mit einer Mischung aus Präpotenz, Asperger-Syndrom und Ellbogen durchs Leben gerempelt hat, bekommt er ein divines Rettungspaket geschnürt, von dem er sich gleich einen fetten Bonus abzweigen kann.
So nicht, meine Herrschaften, weder in der klassischen Literatur noch in der Welt der bauernschlauen Banker, in deren seelenloser Existenz außer der Betriebswirtschaft nichts einen Platz hat! In beiden Fällen erschiene mir ein Ende wie im Volksbuch gerechter, bei dem außer Putzfleckerln und einem großen Fettfleck nur die wohlverdient schlechte Erinnerung vom “Leistungsträger” übrigbleibt.